"Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind."

Gertrud von Le Fort

Wochenbettverstimmungen 

Geburt ist eines der belastendsten Ereignisse im Leben einer Frau. Diese enorme Belastung für den Körper und die Psyche führt nicht selten zu Verstimmungen - sowohl auf der psychischen als auch auf der körperlichen Ebene. 

Die ersten Tage und Wochen entscheiden oft darüber, ob es zu einer positiven Verarbeitung des Erlebten kommt oder ob es zu einer Zunahme der Symptome kommt. 

Als Doula kann ich insbesondere zu Anfang des Wochenbetts emotionale erste Hilfe leisten und zu einer positiven Verarbeitung des Erlebten beitragen. 

Hand des Schätzchens

Welche Symptome können nach der Geburt auftreten? 

Affektive Labilität, erhöhte Empfindlichkeit, rascher Wechsel zwischen Euphorie und Weinen, Schlafstörungen, gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Appetitverlust, Antriebsmangel, Reizbarkeit, Unruhe, Überaktivitä, Angst, Scham- und Schuldgefühle, Müdigkeit, Amnesie, Interessenlosigkeit, ausgeprägte emotionale Labilität, Zwangsgedanken und Konzentrationsstörungen, bis hin zu suizidale Gedanken, Selbsverletzungen oder Suizidhandlungen.

Was bedeutet emotionale erste Hilfe und warum es hilft? 

Für eine positive Verarbeitung von Belastungssituationen spielen einige Faktoren wie eine sichere Bindung und Beziehung, Achtsamkeit, Mitgefühl und Verstehen eine zentrale Rolle. Der Mensch braucht immer einen anderen Menschen, um zu heilen. Alleine ist es ihm nicht möglich. Darum ist es so essentiell. Diese Qualitäten wie Ausdruck des Mitgefühls sprechen im Gehirn wichtige Bereiche des lymbischen Systems an und helfen dabei, die evtl. „erstarrten“ Bereiche des Gehirns anzusprechen und sorgen für sensible Entlastung.

Ebenso eine „Beratung“ (Psychoedukation u.ä.) nach der Geburt verringert bereits die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer posttraumatischen Belastungsstörung.  Es ist von Bedeutung das Erleben im Wochenbett zu normalisieren und zu entpathologisieren. Viele Frauen leiden unter dem Druck, es müsse sich Glück und Freude einstellen, nach dem sie sich die gesamte Schwangerschaft gesehnt haben. Wenn dies nicht der Fall ist, bekommen sie schnell den Eindruck, selbst versagt und "nicht richtig" funktioniert zu haben. Wenn sie aber eine logische Erklärung für ihre Symptome bekommen - z.B. das das Gehirn nach einer Belastung in den meisten Fällen auf diese Art und Weise reagiert - bekommen ihre Gefühle und ihre Symptome einen Rahmen, mit dem sie sich auseinander setzen können. Ebenso kann der Geburtsverlauf näher beleuchtet und die darin kritisch gesehenen Punkte fachlich neutral geklärt werden. Hierzu bieten viele Kliniken Termine für Nachbesprechung, ebenso kann man die Wochenbetthebamme für das medizinische konsultieren.

Die Symptome können aber auch zunehmen, wenn über das Geschehene nicht gesprochen wird, wenn niemand sagt, dass es wahr ist oder es von niemanden bestätigt wird, wie es von der betroffenen Person erlebt wurde (z.B. "Ist doch wieder alles gut." oder " Du und das Kind seid doch gesund, das ist das wichtigste"). Demzufolge bleibt der Erinnerungsspeicher „festgefroren“ und die Person in ihrer belastend oder traumatisch erlebten Situation hängen. In dem Falle kann mit Traumafolgestörungen bzw. Anpassungsstörungen gerechnet werden.

Die „Erholungsdauer“ des Gehirns nach einem belastenden oder traumatischen Ereignis beträgt 4-8 Wochen. Das Gehirn ist damit beschäftigt, alle Wahrnehmungen, die innerhalb des Ereignissen nicht "richtig" zugeordnet werden konnten, wieder richtig einzuordnen - es bildet ein hochkomplexes Gedächtnisnetzwerk aus. In äußersten Fällen kommt es zu Gedächtnislücken. Damit schützt uns unseres Nervensystem von "Zuviel" und "zu schnell" und "zu intensiv". Dabei ist es besonders wichtig, eine Orientierung im hier und jetzt zu bieten und die möglichst "sicherste Umgebung" auch emotional zu schaffen. 

In diesem Zeitraum von 4-8 Wochen kann am ehesten dazu beigetragen werden, dass die Verarbeitung positiv verläuft und die Symptome nachlassen bis verschwinden. Nehmen die Symptome zu, kommt es im Laufe der Zeit zu Bewältigungsstrategien und zu komplexeren Störungsbildern. 

Ist Wochenbettdepression gleich postpartale Belastungsreaktion? 

Nein, ist es nicht. 

Für die Wochenbettdepression müssen andere Kriterien erfüllt sein, wobei vor allem die Veränderungen im Körper (das Ungleichgewicht im Neurotransmitterhaushalt) eine bedeutende Rolle spielen. Eine Belastungsreaktion spielt sich auf der psychischen Ebene statt und lässt sich durch angeborene automatische Abläufe im Körper und im Gehirn erklären. 

Eine organische Abklärung des Neurotransmitterhaushalts gibt oft einen noch genaueren Aufschluss darüber, ob es sich um eine Depression oder um eine Belastungsstörung handelt.

Für die Bestätigung einer Diagnose "Wochenbettdepression" ist es daher ratsam den neuroendokrinologischen Zusammenhang zwischen dem Östrogenspiegel und dem Seronotin im Blut zu untersuchen.

Ebenso sollte im Rahmen einer umfassenden Untersuchung die Schildtrüsenunterfunktion überprüft werden.

Wie sieht meine Begleitung aus? 

Ich richte mich voll und ganz nach den Bedürfnissen der Mutter und des Kindes. Meine Unterstützung findet sich in meinem Verständnis wieder - für das Erlebte bei der Geburt und für den Wunsch der Frau nach dem Ankommen in der Rolle der Mutter und danach, dass die Liebe zwischen Kind und seiner Mama nicht mehr von den Verstimmungen getrübt wird.  

Es ist besonders wichtig, alles in kleinen winzigen Schritten geschehen zu lassen. Die Kräfte der Mama im Wochenbett sich noch im Aufbau und sollten nicht überstrapaziert werden. Die Bedürfnisse der Frau im hier und jetzt sind essentiell und wichtig für die Genesung. 

 

Wenn es für die Mama von Bedeutung ist, können wir uns gemeinsam Ihrer Gebärgeschichte nähern und es gemeinsam entschlüsseln. Ich widme mich im Gespräch dem Erleben der Frau und wie dies mit der Gesamtsituation zusammen hängt. Oft lassen sich Verhaltensweisen anderer Menschen durch Perspektivenwechsel anders beleuchten. Das macht es möglich, die Geschichte aus anderem Blickwinkel zu betrachten und zu einem inneren Abschluss zu gelangen. Bei Bedarf vermittele ich das Verständnis dafür, warum und wie zu einem Zustand in der Psyche und im Körper nach einer erlebten Belastung kommt.

Wenn der psychische Zustand der Mama eine professionelle Abklärung bedarf, werde ich auf entsprechende Stellen in Umkreis verweisen und sie bei Bedarf dorthin begleiten. Mit einigen der Stellen arbeite ich eng zusammen. Eine Begleitung, die zu einer Therapie parallel stattfindet, ist möglich.

 

Nach meiner Überprüfung als Heilpraktiker für Psychotherapie biete ich zusätzlich Therapie für einige der oben genannten Verstimmungen. 

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Ansprechpartner bei Schatten & Licht e. V. finden: 

Krise rund um die Geburt

Initiative peripartale psychische Erkrankungen 

Eine Selbsthilfe-Organisation zu peripartalen psychischen Erkrankungen

Hilfetelefon nach schwieriger Geburt:

mittwochs von 12 bis 14 Uhr und
donnerstags von 19 bis 21 Uhr

Auf Wunsch erhalten Sie weiterführende Informationen, wie Sie in Ihrer Region die für Sie passenden Angebote finden können.

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