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Stärkung der Selbstbestimmung durch Trauma-Sensibles Yoga

Aktualisiert: 22. Mai 2023

Die neuesten Ergebnisse aus der Neurobiologie und Traumatologie finden Anwendung in der Geburtsvorbereitung.



Viele der Klientinnen, die ich bereits vor der Geburt begleite, äussern ein Bedenken, während der Geburt für sich selbst antreten zu können und evtl. „wieder wie gelähmt zu sein“. Sie kennen es bereits aus dem Alltag, aus manchen Situationen, wo sie nachhinein eine Antwort oder eine Reaktion wissen, aber in der Situation selbst „wie eingefroren“ sind. Auch wechselnde Ängste und Befürchtungen oder Vermeidungsverhalten sind oft ein Bestandteil dieser Gespräche.

Trauma-Sensibles Yoga (TSY) bietet an dieser Stelle eine gute Unterstützung. Diese Yoga-Praxis liegt bei der Durchführung der einzelnen Asanas den Fokus auf das individuelle Wohlbefinden und die "aktuelle" Stimmung des Einzelnen. Das bestimmt, wie weit jede Person in diese Übung hineingeht, wie lange sie darin verbleibt und in welchem Tempo sie die Asana wieder auflöst. Das gesamte "System" der/des Praktizierende/n (auch das Nervensystem) erfährt dabei eine uneingeschränkte "Handlungsfähigkeit".


Durch die bewusste Einbindung des Körpers werden auch die subkortikalen Gehirnstrukturen erreicht, die unter anderem für die autonome Reaktionsbildung des "eingefroren seins" (Immobilitätsreaktionen) aber auch Verteidigungsreaktionen oder Flucht und Kampf zuständig sind. Die neu erfahrene Handlungsfähigkeit und Präsenz sorgen für neue neuronale Verknüpfungen und ermöglichen dem Nervensystem neue Erfahrungen zu machen, indem die Selbstbestimmung als positiv gedeutet wird - mit jeder Asana und jeder TSY-Praxis aufs Neue.


Diese körperzentrierte Praxis hilft nicht nur bei der Neubewertung von Gedanken und Reaktionen. Der Körper profitiert von diesem durch Selbstbestimmung geprägten Lernprozess , und zwar auch unter der Geburt - anders, als es bei alleine "kognitiven" Geburtsvorbereitungen der Fall ist.


Während der Geburt befinden sich Frauen in einem fließenden Bewusstseinszustand, der sich ändert, wenn sie auf die sich ändernden Empfindungen und Anforderungen der Geburt reagieren. Am Anfang ist die Frau noch ansprechbar und kommuniziert gerne, später im Verlauf nehmen kognitive und kommunikative Prozesse eher ab. Das "autonome Nervensystem" steuert zunehmend den Geburtsvorgang. Wenn es zu Komplikationen im Verlauf kommt, sieht es ähnlich aus. Experimentelle Forschungen haben gezeigt, dass die Fähigkeit des Gehirns, Erregung durch Kognition zu regulieren, durch akuten Stress beeinträchtigt und sogar deaktiviert werden kann. Darum profitieren viele Frauen von ihren kognitiven Geburtsvorbereitungen wie Affirmationen, Visualisierungen oder auch Meditations- und Hypnosetechniken nicht selten nur zu Beginn der Geburt und berichten häufig, später mit dieser Technik nicht mehr zurecht gekommen zu sein. Das passiert, wenn diese Techniken vorwiegend auf der kognitiven Ebene erlernt wurden. Da aber TSY durch den Körper auch das autonome Nervensystem trauma-sensible mit einbezieht und positive Erfahrungen und Lernprozesse ermöglicht, profitiert der Geburtsverlauf davon gleicher Maßen.


Trauma-sensibles Yoga unterstützt auch bei der Selbstregulation und eignet sich darum insbesondere für Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), Ängsten, Depressionen, Übererregung u.ä.


Diese Yoga-Praxis kann auch im Sitzen oder nur im Stehen durchgeführt werden.


Hier finden Sie ein Paar weiterführende Informationen sowie einige Beispielvideos für eine TSY-Praxis. Ich empfehle es im Vorfeld abzuklären, ob diese Art von Yoga und Begleitung für einem selbst angenehm sind. Für Menschen, die sehr Yoga-Erfahren sind und sich gerne direkt einleiten lassen und keinen fließenden Redefluss mögen, ist diese Art von Praxis möglicherweise nicht geeignet.




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