top of page
Suche

„La Cerrada“ oder „Closing the Bones“

Aktualisiert: 28. Nov. 2022


Das Rebozo Ritual für jede Frau nicht nur nach der Geburt

Das Rebozo Ritual oder auch La Cerrada hier durchgeführt von Hebamme Naoli Vinaver und Doula Zuzana Laubmann. Foto von @annemarielea_geburtsfotografin
La Cerrada oder auch bekannt als Closing the Bones. Durchgeführt von Naoli Vinaver und Zuzana Laubmann. Foto @annemarielea_geburtsfotografin

„Cerrada“, "A cerrar las caderas" auch "Rebozo Cerrada", oder „Manteo“ ist eine uralte traditionelle Pflege für Frauen nach der Geburt. Sie spendet Kraft und neue Energie und unterstützt den Heilungsprozess im Wochenbett. Mit Hilfe der traditionellen Tüchern Rebozo wird der Körper umsorgt und liebevoll „unterstützt“. Stimulierende Massagen helfen dem Körper Glückshormone zu produzieren und der Frau ihr Gleichgewicht zurück finden.


Bei der Geburt stirbt die Frau und eine „junge Mutter" wird geboren, so schutzbedürftig wie ihr Neugeborenes. Die Urvölker sagen: "Ihr Grab ist für 40 Tage geöffnet“. Der Körper öffnet sich, damit das Kind in unserer Welt empfangen werden kann. Das Öffnen des Körpers kostet die Frau viel Energie und Körperwärme. Der Bauch einer Frau, und somit auch ihr Uterus, sind das energetische Zentrum einer Frau. Im Wochenbett verschließt er sich langsam wieder und vollständig, wenn er Pflege, die notwendige Ruhe und konstante Wärme bekommt. Aus dem Grund wird diese traditionelle Pflege als "Rebozo Ritual", „La Cerrada de Caderas“ bzw. „Encaderamiento“ bezeichnet und ist auf der ganzen Welt zu finden, insbesondere in Süd Amerika, Africa, nahem Osten und in Asien. Moderne Namen wie „Knochenschließen“ oder „Closing the Bones“ sind etwas bekannter, haben aber mit der Praxis dieses Rituals weniger gemeinsam.


Das Rebozo ritual oder auch La Cerrada oder Closing the Bones Zeremonie ist eine uralte mexikanische Tradition der Ehrung von Frauen nach der Geburt im Wochenbett, indem ihr Körper Wiede verschlossen wird.
La Cerrada oder auch bekannt als Closing the Bones

La Cerrada oder auch bekannt als Closing the Bones


Wie verläuft diese Zeremonie in der Praxis?


Üblicher Weise findet diese bei der Frau im Wochenbett zur Hause statt oder unter anderen Umständen auch in der Praxis. In Mexico wird das Ritual von den Großmüttern, Tanten und der Mutter durchgeführt oder generell von einer oder mehreren Frauen, die älter sind, als Frau, die das Ritual empfängt.


Das Gespräch

Zur Beginn findet ein Gespräch statt - es liegt ganz an der Frau, ob sie über ihre Gefühle, die Geburt oder Situation sprechen möchte, in der sie sich ein Abschluss wünscht. Es braucht aber nicht zwingend, dass man es laut oder mit konkreten Worten bezeichnet.

Danach mache ich die Frau gerne mit den Einzelheiten dieses Rituals vertrau. Es sollte für sie dabei keine Überraschungen geben - Vertrauen und für sie angenehme intime Atmosphäre sind dabei enorm wichtig.


Von Beginn an wird die Frau mit Liebe und Sorgfalt geehrt und geschätzt. Es ist ihre Wahl, wie sie ihr Ritual beginnen möchten - mit einem Kräuterbad, einem entspannenden Intimdampfbad, Behandlung von Ton, traditionellem Kakao-Getränk oder einer kurzen Meditation.


Die Körperarbeit

Der Hauptbestandteil des Rituals ist die Arbeit mit den Tüchern am Körper. Mit einer Rebozo-Massage wird der Körper in eine Entspannung versetzt und "gewogen". Das sanfte Wiegen in den Tüchern durchblutet und regt die Produktion von Hormonen wie Oxytocin und Endorphin an. Die "Umarmung" mit den Tüchern und der Kontakt an der Haut bringen das Bewusstsein in das Hier und Jetzt. Nach der Massage werden nach und nach sieben Knoten an verschiedenen Stellen der Körpermitte angebracht. Durch das Verschließen intensiviert sich das Körpergefühl in dieser Partie und Hautrezeptoren werden stark angeregt. Wenn alle Knoten von Kopf bis Fuß gelegt wurden, werden sie auf dem Weg zurück zu Kopf eins nach dem anderen Wieder aufgemacht.


Dieses Ritual durfte ich mit meinen Lehrern Angelina Martinez Miranda und Naoli Vinaver gemeinsam durchführen. Es war mit abstand eins der besondersten Augenblicke meines Lebens. Auch darum verbinde ich mit dem Ritual etwas sehr außergewöhnliches. 


Bilder: @annemarielea_geburtsfotografin


Ziel der Zeremonie ist es, das Energiegleichgewicht einer Frau nach der Schwangerschaft und Geburt wieder herzustellen sowie das Erwachen von Wärme und Harmonie in ihrem Körper und Leben durch sanfte Zuneigung und Heilung.


Diese Zeremonie wird üblicher Weise in den ersten 3-5 Tagen nach der Geburt und mindestens einmal pro Woche im Wochenbett (auf Spanisch "la cuarantena") durchgeführt.


Für die weibliche Gesundheit wird sie jedoch bei allen Frauen, unabhängig vom Alter und unabhängig davon, ob sie Mütter sind oder nicht, empfohlen. Idealerweise mindestens zweimal im Jahr oder wenn es ansteht, ein Lebensereignis abzuschließen. In dem südamerikanischen Raum gibt es eine Redeart: "Erst wenn man tot ist, kann man nichts mehr verändern". Laut einer meiner Lehrer Rocio Alarcon gönnen sich dieses Ritual auch 90-jährige Frauen. Es gibt keine Alterseinschränkungen.


WIE KANN DAS RITUAL UNTERSTÜTZEN?

Körperlich

  • starke Unterstützung für die Produktion von Glückshormonen wie Oxytocin, Serotonin, Prolaktin

  • Unterstützung der Laktation und Milchqualität, wenn eine Frau stillt

  • Produktion von gesunden Hormonen anstelle von Stress durch Stimulation auf organischer Basis (Schaffung neuer Synapsen, Heilung "trauriger" Neuronen, die Cortisol, Glutamine, Adrenalin usw. produzieren)

  • Prävention bei postpartalem Blues, Depressionen

  • Verteilung von Flüssigkeiten im Körper - Schwellungsregulierung

  • Mobilisierung von Knochen- und Gelenkpflege - Vorbeugung gegen Osteoporose, Arthrose und deren Therapie

  • Wiederherstellung der Elastizität und Lebendigkeit der Lende - Arbeiten mit Faszien, Knochen und Muskeln

  • Rückbildung der Organe

  • das Verschließen des Beckens

  • Rücken- oder Beckenschmerzen

  • Durchblutung - Wärme, Durchblutung aber auch Entgiftung

  • Stimulation des Lymphsystems - Ausschütteln von Toxinen

  • Prävention von Erkrankungen des Beckens - insbesondere der Gebärmutter, der Eierstöcke, der Blase

  • Prävention und Therapie von Beckenbodenbeschwerden - Prolaps von Organen, Beckenbodenmuskeln, Inkontinenz

  • Begünstigung von Menstruationszyklus - wenn eine Frau bereits menstruiert


Psychisch und emotional

  • sich geerdet fühlen

  • eigene Körpergrenzen besser wahrnehmen - vor allem nach dem Kaiserschnitt sehr wichtig

  • sich selbstsicherer, stärker fühlen

  • besserer Kontakt mit dem Baby

  • Wiederherstellung des Gleichgewichts und Friedens

  • Höhere Belastungstoleranz durch Ruhe

  • die Fähigkeit, hier und jetzt zu leben

  • sich glücklich und erfüllt fühlen

  • den Abschluss finden - bei dem Geburtserlebnis, aber auch bei der Scheidung, in schwierigen Lebenssituationen

  • Verbindung zu seiner Gebärmutter und Zyklizität

  • eigene Weiblichkeit spüren, die eigene Sexualität, erhöhte Libido, bessere Orgasmuserfahrung


Dieses Ritual ist immer etwas ganz besonderes. Hier die traditionelle Form des Rituals in einer kurzen Vorführung von einer meinen Lehrern Naoli Vinaver:  


Es gibt noch wenige traditionelle Hebammen, die dieses Wissen über mehrere Generationen erben und weiter vergeben - wie Rocio Alarcon (Kurandera - Schamanin, Heilerin, Enthnobotanistin und traditionelle Hebamme aus Eguador), Angelina Martinez Miranda (Hebamme aus einer alten traditionellen Hebammenfamilie), Naoli Vinaver (traditionelle Hebamme und Lektorin aus Mexico, wohnhaft in Brasilien) und nicht zuletzt Robin Lin (traditionelle Hebamme auf Bali). Deren Schüler oder sie selbst waren meine Lehrer und ich fühle mich zutiefst geehrt, dieses wertvolle Wissen zusammen mit anderen Frauen empfangen und in die Welt tragen zu dürfen.


Die hierin bereitgestellten Informationen sind rein informativ und basieren auf dem Wissen und Praktizieren der traditionell arbeitenden Hebammen und Doulas. Sie ersetzen keine klassischen Behandlung. Bei Komplikationen empfehle ich Ihnen Ihren Arzt oder Hebamme zu konsultieren. 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page