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Rebozo für Eltern – gemeinsam durch die Geburt

22. Jan. 2019
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 4. Sept.

Wie ein Tuch Halt, Bewegung und Verbindung während der Geburt unterstützen kann

Die Anwendung vom Rebozo-Tuch ist einfach und sehr wirkungsvoll.
Die Anwendung vom Rebozo-Tuch ist einfach und sehr wirkungsvoll.

„Was kann ich während der Geburt eigentlich tun?“


Diese Frage höre ich von Partner in der Geburtsvorbereitung immer wieder. Dahinter steckt häufig viel mehr als der Wunsch, einige praktische Techniken zu lernen. Vielleicht ist da auch die Sorge, daneben zu stehen und nicht zu wissen, was gebraucht wird. Die Angst, etwas falsch zu machen. Oder das Bedürfnis, während einer intensiven Erfahrung nicht nur Zuschauer zu sein.


Das Rebozo kann hier etwas sehr Einfaches anbieten:

eine Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu bleiben.


Dabei geht es nicht darum, die Geburt kontrollieren zu können. Und auch nicht darum, als Partner ständig etwas tun zu müssen. Manchmal besteht gute Begleitung gerade darin, da zu sein. Und manchmal hilft ein Tuch dabei.


Was ist ein Rebozo?

Das Rebozo ist ein traditionelles mexikanisches Tuch, das weit mehr ist als ein Hilfsmittel rund um Schwangerschaft und Geburt. Es ist Kleidungsstück, Alltagsgegenstand und kulturell bedeutsames Textil und wird in unterschiedlichen Regionen und Familien auf unterschiedliche Weise verwendet.


Auch traditionelle Hebammen haben Rebozos in ihre Arbeit rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett eingebunden. Eine meiner Lehrerinnen, die traditionelle mexikanische Hebamme Angelina Martínez Miranda, beschreibt das Rebozo mit einem Satz, der mich seit vielen Jahren begleitet:

„The Rebozo is an extension of our hands, arms and hearts.“


Für mich beschreibt dieser Satz sehr schön, worum es auch bei der Begleitung durch eine Partnerin oder einen Partner gehen kann. Das Tuch ersetzt nicht die Hände.

Es verlängert sie. Es schafft Verbindung – und gleichzeitig Raum.



Rebozo
"The Rebozo is an extension of our hands, arms and hearts". Angelina Martinez Miranda

Nicht: „Wie mache ich es richtig?“

Wenn Paare in der Geburtsvorbereitung Rebozo-Techniken lernen, kann leicht eine neue Aufgabe daraus entstehen:

Welcher Griff war noch einmal für welche Geburtsphase?

Wie stark muss ich ziehen?

Welche Position war die richtige?


Doch Geburt folgt selten einem vorbereiteten Ablauf. Was während der Schwangerschaft angenehm war, kann während der Geburt plötzlich nicht passen. Eine Bewegung, die vor zehn Minuten hilfreich war, kann bei der nächsten Wehe störend sein.


Deshalb finde ich inzwischen eine andere Fähigkeit wichtiger als das Erinnern möglichst vieler Techniken:

wahrnehmen, wie die Frau auf das reagiert, was ich anbiete.


Wird ihr Atem freier?

Lehnt sie sich stärker in den Kontakt?

Möchte sie mehr Druck?

Weniger?

Eine andere Position?

Oder möchte sie gerade überhaupt nicht berührt werden?


Das Rebozo wird dadurch nicht zu einer Technik, die man anwendet. Es wird zu einem Gespräch ohne viele Worte.



Gegendruck und Unterstützung

Während einer Geburt wünschen sich manche Frauen einen deutlichen Druck am Becken, Kreuzbein oder unteren Rücken. Mit einem Rebozo lässt sich dieser Druck über eine größere Fläche verteilen. Die Partnerin oder der Partner kann das Tuch halten, Spannung aufnehmen oder einen gleichmäßigen Gegendruck anbieten. Der Vorteil besteht dabei nicht darin, dass ein bestimmter Griff bei Geburtsschmerzen grundsätzlich „wirkt“.


Viel wichtiger ist:

Der Druck lässt sich verändern.

Stärker.

Schwächer.

Höher.

Tiefer.

Oder ganz weg.


Manche Frauen empfinden einen deutlichen Druck als sehr unterstützend. Andere bevorzugen sanfte Bewegung oder kaum Kontakt. Beides ist richtig.



Das Rebozo kann Bewegung ermöglichen

Das Tuch kann auch dabei helfen, unterschiedliche Geburtspositionen zu unterstützen.

Eine Frau kann sich beispielsweise in das Rebozo hineinlehnen, während die Partnerin oder der Partner das andere Ende hält. Es kann beim Stehen, Sitzen, Knien oder beim Vierfüßlerstand unterstützen.


Manchmal ermöglicht das Rebozo auch kleine rhythmische Bewegungen oder sanftes Wiegen.

Entscheidend ist dabei nicht, eine „optimale“ Position herzustellen.

Der Körper darf ausprobieren. Eine Position kann für einige Minuten hilfreich sein und anschließend wieder verlassen werden. Das Rebozo kann diese Suche begleiten.



Nähe – ohne ständig berühren zu müssen

Einen weiteren Aspekt des Rebozos finde ich während einer Geburt besonders schön:

Es ermöglicht Verbindung über Distanz. Nicht jede Frau möchte während der Geburt ständig unmittelbar angefasst werden. Manchmal ist Nähe angenehm, manchmal wird selbst eine liebevolle Berührung plötzlich zu viel. Mit einem Rebozo kann eine Partnerin oder ein Partner verbunden bleiben, ohne direkt mit den Händen am Körper sein zu müssen.


Zwischen beiden Menschen liegt das Tuch.

Es gibt Kontakt.

Und gleichzeitig Abstand.

Gerade darin kann etwas sehr Wertvolles liegen:

Ich bin bei dir – ohne dich festhalten zu müssen.



„Sag mir einfach, was ich tun soll“

Partner:innen wünschen sich häufig klare Anweisungen.

Doch genau das kann unter Geburt schwierig sein.


Eine Frau, die intensiv mit den Wehen beschäftigt ist, kann möglicherweise gerade nicht erklären:

„Bitte fünf Zentimeter weiter links und etwas weniger Druck.“

Vielleicht kann sie nur den Körper wegbewegen.

Die Hand wegschieben.

Ein Geräusch machen.

Oder sehr still werden.

Deshalb gehört für mich zur Vorbereitung mit dem Rebozo auch, diese kleinen Antworten wahrnehmen zu lernen.


Und immer wieder einfache Wahlmöglichkeiten anzubieten:

Mehr oder weniger?

So bleiben oder verändern?

Weiter oder aufhören?

Manchmal braucht es gar keine Antwort in Worten.



Ein Nein muss nicht perfekt ausgesprochen werden

Dieser Punkt ist mir besonders wichtig.


Oft lernen Partner:innen:

„Wenn sie es nicht möchte, wird sie schon Nein sagen.“

Doch unter starken Schmerzen, Stress oder Überforderung ist ein klares Nein nicht für jeden Menschen jederzeit leicht erreichbar. Manche Menschen werden still. Andere passen sich an.

Manche halten etwas aus, obwohl es eigentlich nicht mehr angenehm ist.

Deshalb liegt die Verantwortung nicht allein bei der gebärenden Frau, eine Berührung rechtzeitig zu stoppen.


Eine gute Begleitung schaut immer wieder:

Kommt meine Unterstützung gerade noch an?

Und statt auf ein deutliches „Stopp“ zu warten, kann die Partnerin oder der Partner selbst kurz nachlassen, innehalten und erneut Kontakt aufnehmen.

Das ist keine Unsicherheit. Es ist Abstimmung.


Manchmal ist weniger mehr

Geburtsbegleitung kann schnell zu einer Art Arbeitsauftrag werden.

Atmen.

Massieren.

Wasser holen.

Rebozo benutzen.

Position wechseln.

Motivieren.

Erinnern.

Doch manchmal braucht eine Frau gerade nichts davon.


Vielleicht möchte sie nur wissen:

Du bist da.


Eine Hand auf dem Rücken kann dann mehr sein als die ausgefeilteste Technik. Oder jemand sitzt einfach daneben. Oder hält das Ende des Rebozos, während die Frau selbst bestimmt, wie viel Spannung entstehen soll.


Für Partner:innen kann es entlastend sein zu wissen:

Ich muss diese Geburt nicht machen.

Ich muss sie nicht beschleunigen.

Ich muss Schmerzen nicht wegnehmen.

Und ich muss nicht ständig etwas verbessern.


Meine Aufgabe kann viel einfacher sein:

Ich bleibe hier. Ich schaue hin. Ich höre zu. Und wenn du etwas brauchst, suchen wir gemeinsam danach.



Das Rebozo als Verbindung zwischen zwei Menschen

Bei der Arbeit mit einem Rebozo entsteht etwas Interessantes.

Beide Menschen sind beteiligt.

Wenn eine Person das Tuch bewegt, spürt die andere die Bewegung.

Wenn die Frau ihr Gewicht verändert, spürt die Partnerin oder der Partner diese Veränderung wiederum über das Tuch.

Es entsteht ein fortlaufender Austausch.

Ich spreche dabei gerne von Joining – einer Verbindung, bei der beide Menschen miteinander in Kontakt bleiben, ohne miteinander zu verschmelzen.

Die Partnerin oder der Partner muss nicht wissen, was die Frau fühlt.

Sie oder er muss die Geburt nicht selbst fühlen.

Beide dürfen zwei unterschiedliche Menschen bleiben.

Und trotzdem miteinander verbunden sein.

Das Rebozo macht diese Verbindung beinahe sichtbar.



Was kann das Rebozo während einer Geburt unterstützen?

Je nach Situation kann es beispielsweise genutzt werden, um

  • Gegendruck am Rücken oder Becken anzubieten,

  • unterschiedliche Geburtspositionen zu unterstützen,

  • Bewegung und sanftes Wiegen zu ermöglichen,

  • das eigene Körpergewicht teilweise abzugeben,

  • Nähe über etwas Abstand hinweg herzustellen,

  • einen klaren Kontakt zum Körper anzubieten,

  • oder der Partnerin bzw. dem Partner eine einfache Möglichkeit zu geben, präsent und beteiligt zu bleiben.


Was davon hilfreich ist, entscheidet sich jedoch nicht durch eine Technik oder ein Lehrbuch.

Es entscheidet sich im Moment.


In meinem Video unten finden Sie Anregungen für gemeinsames Herausfinden zur Zweit.



Auch Nichtstun gehört dazu

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Lektionen, die ein Rebozo vermitteln kann:

Ein Werkzeug zu besitzen bedeutet nicht, es ständig benutzen zu müssen.

Das Tuch kann während der Geburt viele Stunden unberührt in einer Tasche liegen.

Und vielleicht kommt irgendwann genau der Moment, in dem eine bestimmte Bewegung oder ein bestimmter Druck guttun. Vielleicht auch nicht.


Dann war die Vorbereitung trotzdem nicht umsonst.

Denn möglicherweise haben Eltern dabei etwas viel Grundsätzlicheres gelernt:

zu fragen,

wahrzunehmen,

auszuprobieren,

eine Reaktion abzuwarten,

und wieder aufzuhören.

Diese Fähigkeiten reichen weit über das Rebozo hinaus.



Die Fähigkeit liegt nicht im Tuch

Über die Jahre ist mir deshalb ein Gedanke immer wichtiger geworden:

The skill is not in the cloth. Natürlich kann man verschiedene Rebozo-Techniken erlernen.

Aber die eigentliche Fähigkeit besteht nicht darin, möglichst viele davon zu kennen.

Sie liegt darin, eine Bewegung so anzubieten, dass die andere Person darauf antworten kann.


Sie liegt im Wahrnehmen. Im Dosieren. Im Warten. Im Verändern.


Und manchmal darin, das Tuch wieder aus der Hand zu legen.

Angelina Martínez Mirandas Bild vom Rebozo als Verlängerung unserer Hände, Arme und Herzen bekommt für mich dadurch noch eine weitere Bedeutung. Dein älterer Beitrag enthält dieses Zitat bereits als einen seiner Leitgedanken.


Denn vielleicht geht es letztlich gar nicht darum, während einer Geburt möglichst viel zu tun.

Sondern darum, über all das Tun hinweg etwas anderes spürbar zu lassen:

Ich bin hier.

Ich sehe dich.

Ich gehe nicht weg.

Und wir schauen gemeinsam, was du gerade brauchst.





Kleiner Hinweis

Rebozo-Arbeit kann eine geburtsbegleitende Möglichkeit sein, ersetzt jedoch keine medizinische oder hebammenfachliche Betreuung. Während der Geburt sollten Anwendungen immer an die individuelle Situation und das Wohlbefinden der Frau angepasst und bei medizinischen Fragen mit der betreuenden Hebamme oder dem ärztlichen Team abgestimmt werden.


Kontakt

Mgr. Zuzana Laubmann, MA., HPP

Pädagogin, Soziologin 
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Somatic Experiencing Practitioner 

Somatic Ego State Therapie
Systemische Beratung
TSY® Practitioner
WSGB certificated trainer

Hauptstrasse 60, 91054 Erlangen  

Nürnberg, Fürth, Forchheim Bayern, Deutschland


Tel: +49 9131 60 50 724
E-mail: info@zuzana-laubmann.de

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In Notfällen wenden Sie sich bitte umgehend an Ihren Arzt, die Notfallpraxis oder Psychiatrische Ambulanz. 

Notfallpraxis: 09131-816060

Psychiatrische Ambulanz: 09131-8534597 

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Akreditierte Assistentin Zuzana Laubmann ist Mitglied Somatic Experiencing Deutschland..pn
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